Themen: Roman, Historischer Roman, Zeitgeschichte, Leseprobe, 1970er Jahre, Concorde, England, UK, USA, Luftfahrt
Heute kann ich euch die frohe Kunde überbringen, dass der Klappentext für Teil 2 steht:
Am Horizont wartet eine neue Hoffnung – eine zweite Chance für Konstanze und den Piloten Anthony? Begib dich noch einmal an Bord der legendären Concorde und lasse dich entführen auf eine inspirierende Reise in eine vergangene Epoche.
Konstanze hat erreicht, wovon viele träumen: Als Chefstewardess auf der Concorde pendelt sie zwischen London, New York und Barbados und begrüßt VIPs und Royals an Bord. Doch die Krisen der späten 1970er Jahre werfen ihre Schatten auf eine Welt im Wandel. Auf ihrem Weg begegnen ihr Versuchungen und Herausforderungen – ebenso wie Anthony.
Während eines Fluges unterbreitet ihr der amerikanische Tycoon Everett J. Hunter ein verlockendes Angebot: Soll sie für seine neu gegründete Airline arbeiten oder in Großbritannien bleiben, das von Arbeitslosigkeit und Streiks erschüttert wird?
Anthony bildet unterdessen die nächste Generation von Concorde-Piloten aus und wird für seine Verdienste sogar von der Queen geehrt. Doch damit lässt sich sein Verlust nicht ersetzen. Haben Konstanze und Anthony noch eine Chance – und können sie zueinanderfinden?
Wer ist Everett J. Hunter?
Er ist laut, sehr von sich selbst überzeugt und ein ehrgeiziger Geschäftsmann. Er ist ein Kind seiner Stadt New York. Everett fliegt gemeinsam mit seinem Vater Walter, dem die Hunter Incorporated gehört, von London in seine Heimatstadt zurück. Im Vereinigen Königreich haben die beiden bereits vorgefühlt, ob sie wie die Hiltons ein Hotel in Europa erwerben können. Hunter Junior sitzt auf Platz 1 A – One Alpha. Wird es für Konstanze ein Vergnügen sein, ihn auf der Concorde willkommen zu heißen? Ausgerechnet sie, die Anthony nicht ganz vergessen hat, soll damit vor einer bedeutungsvollen Lebensentscheidung stehen.

»Willkommen an Bord, Madam. Darf ich Ihnen ein Glas Champagner anbieten, Sir?« Seamus präsentierte den Passagieren, die in die Concorde stiegen, das Tablett, während Konstanze ihnen die Sitzplätze zuwies.
Seit ein paar Wochen ließ er sich einen Oberlippenbart stehen, an den sie sich noch gewöhnen musste. Seine neue Beziehung war Grund für die äußerliche Veränderung.
Höflich lehnte ein Geschäftsmann seinen Begrüßungschampagner ab, eine teuer gekleidete Dame mit festgesprühten Locken nahm ihn an. Konstanze erkannte einige Stammgäste auf der Überschallstrecke wieder, zumeist Geschäftsleute mit vollen Terminkalendern, denen der Zeitgewinn viel Geld für ein Ticket wert war.
»Was mag dieser Vogel kosten?«, dröhnte, untermalt von einem breiten New Yorker Akzent, eine Männerstimme durch die Passagierbrücke. »Wenn die Hunter Air ihre Konzession von der FAA erhält, kaufen wir eine Concorde. Wir bieten New York – LA in drei Stunden an. Damit es sich lohnt, fliegen wir gleich weiter nach Honolulu. Was meinst du, Dad?«
Oh je, seufzte Konstanze in sich hinein und unterdrückte den Reflex, die Augen zu verdrehen. Da kommt bestimmt ein aufschneiderischer, lauter Ami von der Sorte J.R. Ewing. Unbeeindruckt zeigte sie dem nächsten Passagier seinen Sitzplatz.
»Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich das für übertrieben, Ev«, mahnte eine tiefere, reifere Männerstimme. »Wir gehen gleich an Bord.«
»Stell dir einmal die Hollywood-Produzenten und die Stars vor, die in ein paar Stunden von Küste zu Küste fliegen«, schwadronierte Everett Hunter und platzte fast vor Überzeugung. »Wir wären die erste amerikanische Airline, die sich mit der Concorde rühmen kann. Haben wir Hunters jemals in kleinen Kategorien gedacht? Du würdest noch heute in deinem winzigen Maklerbüro in Brooklyn sitzen und Brachland als Bauland verkaufen. Andere hat die Rezession weggefegt, Hunter Incorporated expandiert und übernimmt nun deren Platz.«
Sekunden später überschritten beide die Schwelle zwischen Passagierbrücke und der Concorde, ein älterer Herr mit zurückgekämmten grauen Haaren und ein hochgewachsener Mann um die Mitte dreißig. Im Kunstlicht der Kabine schimmerte sein nackenlanges Haar golden, entschlossen herausfordernd schürzte er die Lippen und betrachtete Konstanze mit leicht zusammengekniffenen blauen Augen. Sein dunkler Anzug und das weiße Hemd schmiegten sich an seinen Körper. Das schimmernde Stahlblau der Krawatte gab exakt seine Augenfarbe wieder.
»Good morning, Sir«, grüßte ihn Konstanze mit unerschütterlicher Höflichkeit und hob leicht die Hand, um die Bordkarte zu sehen.
»Hi, Schätzchen«, erwiderte Everett Jonathan Hunter.
So stand es auf dem Ticket, mit dem er den Platz 1 A gebucht hatte. Geoffreys Anweisungen nach sollte sie ihn später ins Cockpit bitten. So umwarb die British Airways ihre VIPs.
Mit einem Selbstverständnis, das er mit jeder Faser ausströmte, schnappte sich Everett Hunter ein Glas Champagner. Er fragte nicht. Er nahm sich, was er glaubte, das ihm zustand. Solche Menschen waren Konstanze zuwider, doch sie ließ sich ihre Abneigung nicht anmerken.
»Dad, möchtest du keinen Champagner?«, fragte er seinen Vater und kräuselte seine Lippen zu einem gewinnenden Lächeln. Über den Rand des Kelches sandte er es Konstanze zu.
Im Vergleich zu ihm hatte Everett Hunter weichere Gesichtszüge und helleres Haar. Aber auch die raueren Manieren. Walter Hunter wirkte besorgniserregend fahl um die Wangen.
»Nein danke«, lehnte er ab und setzte sich auf Platz 1 B.
Sofort begriff Konstanze, dass sie auf ihn achten musste. Vermutlich machte ihm der Kreislauf zu schaffen oder er war aus einem anderen Grund angespannt.
»Möchten Sie stattdessen ein Glas Wasser, Sir?«, bot sie an.
»Das ist sehr zuvorkommend von Ihnen, Miss, aber im Moment brauche ich nichts«, antwortete er und hob vornehm ablehnend die Hand.
»Der Service ist schon beim Einsteigen exzellent.« Hörbar spielte Everett Hunter mit seiner Zunge zwischen Gaumen und Zähnen, um das Knistern der Champagnerperlen nachzuspüren. Gönnerhaft stellte er das Glas zurück auf das Tablett und nahm den Fensterplatz ein.
Unter der Manschette seines Hemdes blitzte eine Philippe Patek hervor. Er schlug seine langen Beine übereinander und musterte Konstanze, als wäre er es gewohnt, Menschen einzuschätzen und zu beurteilen. Damit hatten sie etwas gemeinsam.
Als das Boarding beendet war, traf Konstanze mit Seamus die letzten Vorbereitungen vor dem Abflug. Während die Concorde vom Terminal wegrollte, führte sie dicht vor Everett die Sicherheitsanweisungen durch. Dabei ließ er sie keine Sekunde aus den Augen, die von ihren Fesseln zu ihren Hüften hochwanderten. Ein gefälliges Lächeln umspielte seine Lippen und er neigte seinen Kopf leicht, als er ihre Gesichtszüge betrachtete. Dieses Blau strahlte kräftiger und löste ein merkwürdiges Beben in ihr aus. Automatisch lächelte sie breiter, doch ihre Handbewegungen, mit denen sie auf die Notausgänge wies, wurden fahrig. Machte sie eine würdevolle Figur? Belustigte sie ihn wie ein Showgirl? Warum verwirrte er sie überhaupt? Konstanze verfluchte in diesen Momenten die Concorde für ihre Enge und dass sie Menschen wie Everett Hunter näherkam als sie wollte. Sie riss ihren Blick von ihm los und starrte in den Gang, wahllos zu anderen Passagieren und lächelte ins Leere.
Konstanze vollführte eine elegante Umdrehung und kehrte Everett den Rücken zu. Heiß pulsierte das Blut in ihren Wangen, während sie mit unruhigen Fingern die Schwimmweste und die Atemmaske verstaute. Sie linste ins Cockpit, wo Geoffrey die Concorde auf die Startbahn lenkte und schloss einstweilen die Tür. Als seine Aufforderung kam, dass die Kabinencrew ihre Plätze einnehmen möchte, saßen Seamus und Konstanze bereits. Konstanze ordnete ihr Haar an der Schläfe, das nach wie vor straff und ordentlich anlag. Der Amerikaner hatte sie verwirrt. Wenn sie den Service übernahm, durfte sie sich nicht mehr von ihm durcheinanderbringen lassen. Was erlaubte er sich, sie auf eine so unverschämte Weise anzuglotzen und ihr dieses gönnerhafte Grinsen zu schenken?
»Weißt du, was ich mir überlegt habe?«, fragte Seamus.
Jetzt geht es los, fieberte Konstanze, während die Concorde über die Piste sauste. Langsam lenkte sie den Blick aus dem Fenster auf ihn.
»Wir könnten uns in New York ein gebrauchtes Auto kaufen und damit Ausflüge in die Umgebung unternehmen«, schlug er vor. »Wenn wir einen Tag Stopover dazwischen haben, können wir außerhalb in einem Motel übernachten und von dort aus Ziele suchen. Immer nur in New York herumzulaufen wird langweilig.«
Angetan kicherte Konstanze. »Andere sind nie in ihrem Leben nach New York gekommen. Aber gut. Mit einem eigenen Auto sind wir unabhängiger.«
»Lass uns später die Angebote ansehen. Ich habe ein ganzes Heft über Gebrauchtwagen in meiner Tasche«, sagte Seamus und lehnte seinen Rücken zurück, als sie steil in den Himmel abhoben.
Sonnenstrahlen glänzten durch das Fenster und streiften sein Gesicht und seinen Hals. Konstanze fielen rote Flecken an der Stelle auf, an der der Hemdkragen auf seiner Haut abschloss. »Was hast du an deinem Hals?«, fragte sie.
»Vermutlich ist es ein Ausschlag«, antwortete Seamus und strich mit dem Finger den Kragen entlang. »Der Stoff scheuert entsetzlich.«
»Ich habe eine gute Wundsalbe aus Deutschland. Später kann ich sie dir geben«, bot sie an und stemmte sich gegen die Fliehkraft in den Sitz.
»Gerne«, erwiderte er.
Über das Brausen der Triebwerke hinweg lauschte sie in die Kabine. Everett Hunter führte so lebhaft wie es nur Amerikaner konnten, eine Unterhaltung mit seinem Vater. Obwohl eine Wand die Galley und die vorderen Sitzreihen trennen, spürte sie, wie Everett das gesamte Flugzeug mit seiner bloßen Präsenz ausfüllte. Seine Stimme übertönte sogar die Nachbrenner.
»Ich sag’s dir, Dad, jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um in London ein Hotel der Luxusklasse aufzuziehen. Jetzt stehen etliche abgeranzte Kästen herum, genauso wie in New York. Aber bald schießen die Preise wie eine Rakete durch die Decke. Mit solch einem Hotel in Europa machen ein Vermögen, wenn wir es wieder verkaufen.«
Was will dieser Typ noch alles, wunderte sich Konstanze. Eine eigene Airline, Grundstücke in London … Möglichkeiten sind unbegrenzt. (…)
Wird Everett Konstanze, die es nie darauf angelegt hatte einen Millionär zu angeln, von seinen Ideen überzeugen können? In Wo der Himmel endet wird New York zum zweiten Hauptsetting, noch lange vor Trump.
Es ist das Amerika der späten 1970er Jahre, als seine Innovationen den Rest der Welt in Staunen, Bewunderung und Sehnsucht versetzten. Es ist auch das Amerika wie viele es noch aus Serien wie Dallas oder Einsatz in Manhattan kennen (bitte unbedingt zumindest eine Folge ansehen, wer nicht mehr damit aufgewachsen ist). New York war schäbig, dreckig und heruntergekommen, lärmend, hektisch und rau. Auf der anderen Seite strebte es mit glänzenden Wolkenkratzern dem Himmel entgegen. Und irgendwo zwischen den Twin Towers und dem Empire State Building werden wir das Hunter Plaza finden.
Ich bin mir sicher, die Rolle des Everett J. Hunter wird dem 2. Teil seine eigene Sphäre und Dramaturgie verleihen, wie auch immer Konstanze sich entscheidet.