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Valdas Grinfeldis ist einer meiner ältesten Charaktere. Erstmals trat er 1998 in der zweiten Fassung von Lenins Ruhm auf, der Mutter aller meiner Cold War Fiction-Romane. Entschlossen, intelligent und gutaussehend sollte er der männliche Part werden, der alle Frauen, die ihn liebten, am traurigsten machte. Ein Herzensbrecher, weil er nicht anders kann.

Dabei hatte es Valdas selbst nicht leicht. Geboren im Jahr 1937 als Sohn jüdischer Eltern, wurde Valdas in den Wirren und Grausamkeiten des 2. Weltkriegs zum Waisen. Pranas Tarvydas, ein junger kommunistischer Partisan, fand den kleinen Jungen in Litauens Sümpfen und versteckte ihn auf einem Hof sympathisierender Bauern vor den Nazischergen. Seither leidet Valdas an Klaustrophobie – und würde seine Schwäche in tausend Jahren niemals zugeben. Obwohl Pranas Valdas wie seinen eigenen Sohn aufzog, adoptierte er ihn nie. Nach dem Krieg hoffte Pranas, die leiblichen Eltern wiederzufinden, aber Hoffnungen können auch zerfallen. Die Obhut der Familie Tarvydas bot Valdas eine ungewöhnliche Mischung aus Fürsorge, aristokratischer Kultiviertheit (Pranas stammt von Wojwoden ab) und ideologischer Indoktrination.
In einer Zeit, in der technologischer Fortschritt und Bildung politisch motiviert waren, wurde Valdas mit seiner außergewöhnliche Begabung für Mathematik und Technik zum Überflieger. Doch der Neid und die Feindseligkeiten seiner Kommilitonen waren ihm gewiss. Er freundete sich mit einem anderen Außenseiter an: Rimas.
1981, dem Beginn der Eis und Bernstein-Saga, hat es Valdas weit gebracht: Er ist Direktor des Kombinats Elektronika in Vilnius. Durch seine Heirat mit Rūta (Sternenstürmer lässt grüßen), die wiederum aus einer einflussreichen Familie stammt, hat er sich in der Nomenklatura etabliert. Allerdings ist er abhängig vom Wohlwollen ihres Vaters, dem machtgierigen wie niederträchtigen Vytautas Šedvila – Pranas‘ Erzfeind seit den 1940er Jahren.
Mit Jagdgesellschaften seines Schwiegervaters und seinem Posten hat sich Valdas anscheinend sein Leben eingerichtet. Bis er und Rasa einander näherkommen und er ihr mit Perla, einem von ihm entwickelten Computer für den Heimgebrauch, ein Denkmal setzt. Wenn das keine Liebeserklärung ist …
Die Bad Boy-Attitude hat Valdas gegen geheimnisvollen Charme, schwarzen Humor und eine teils grüblerische Nachdenklichkeit eingetauscht. Er bleibt einer meiner liebsten Protas. Nach wie vor bleibt seine Geschichte eine Mischung aus persönlichem Aufstieg, politischen Spannungen und persönlichen Konflikten, die euch in die Atmosphäre und die Spannungen des Litauen der 1980er Jahre eintauchen lassen.
Eis und Bernstein ist bereits vorbestellbar. Ab 01.09.2023 überall im Buchhandel und online.