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So lange ist es her, dass ich in den Dateieigenschaften nachgesehen und gestaunt habe. Ich hatte 2008/09 in Erinnerung, vermutlich, weil ich in dieser Zeit an der Erstfassung von „Sternenstürmer“ gearbeitet hatte.

Am Anfang stand die Idee, im Vilnius der 1970er Jahre begegnen sich der ehemalige Pilot und Offizier Dovidas und die Philosophiestudentin Lucija und merken bald, dass sie füreinander bestimmt sind. Er liebt die Musik, die Opern und die Geschwindigkeit. Sie ist hübsch, klug, zielstrebig und warmherzig. Eine Liebe, wie es sie nur einmal gibt. Glückliche Jahre, trotz der Einschränkungen des Sowjetalltags führen die beiden ein angenehmes Leben. Doch dann marschieren Ende 1979 sowjetische Truppen in Afghanistan ein und Dovidas wird an den Hindukusch beordert. Trennung und Wiedersehen und in der Zwischenzeit verändert sich die Welt. Nichts wird mehr sein wie zuvor und die große Liebe steht vor der Zerreißprobe.

Vor einem Jahr, am 20. Oktober 2022, erschien also Teil 1 der „Sternenstürmer“-Saga. Acht Monate hatte ich das alte Manuskript überarbeitet und Lucija und Dovidas jeweils eine Stimme gegeben. Was für einen historischen Roman eher ungewöhnlich ist – die ganz Strengen werden sagen, 1. Person und Präsens gehen als Erzählstimme gar nicht – aber es kam gut bei der Leserschaft an.
Denn noch immer liegt ein Zauber auf Szenen wie diesen:
»Kann ich Sie irgendwohin mitnehmen?« Die Stimme kommt mir erleichternd vertraut vor. Im Inneren des Wagens sitzt Major Kalvaitis, sieht mich einladend an.
Erst jetzt habe ich einen Blick für das Auto. Es ist ein Moskwitsch, mit den Heckflossen sieht er schnittig und elegant aus. Ich nicke stumm, die Kälte und diese Frage machen mich um Worte verlegen.
»Danke, gerne«, bringe ich unbeholfen hervor, nehme auf dem Beifahrersitz Platz. Immerhin kenne ich den Major ein wenig und ich glaube nicht, dass er böse Absichten hegt. In meine Wangen steigt eine frische Röte.
Warum passiert mir das immer wieder, wenn ich mit einem Mann spreche, den ich … wie finde? Attraktiv? Interessant? Bemerkenswert? Ich muss zugeben, er hat etwas, und ich kann es nicht benennen. Sind es die rötlich schimmernden Haare, die er für einen Offizier grenzwertig lang trägt? Sein ebenmäßiges Gesicht? Seine außergewöhnlich hellen Sommersprossen, die seine oberen Wangenknochen und den Nasenrücken sprenkeln? Oder ist es der entschlossene Schwung seiner Oberlippe? Flüchtig blicke ich über meine Schulter. Auf dem Rücksitz liegen sein Mantel und die Offiziersmütze.
»Wohin müssen Sie?«, fragt Kalvaitis.
»Zur Universität«, antworte ich. »Wenn es Ihnen keine Umstände bereitet.«
»Die Universität liegt auf dem Weg«, sagt er, sieht mich dabei mit seinen blaugrauen Augen an. »Was studieren Sie?«
Seinem Blick halte ich nicht länger stand. Obwohl seine blaugrauen Augen ruhig wie ein See im Herbst sind. Ich hole Luft, atme dabei den Neugeruch des Autos ein. Durch die Windschutzscheibe schaue ich auf die Ampel, die gerade umspringt.
Ira Habermeyer, „Sternenstürmer“
Und dann begann das Abenteuer, oder was einige Autor*innen kennen. Die Höhen und Tiefen. Das Gefühl, es endlich geschafft zu haben, wenn der Titel beim großen A unter den Top 50 einer Kategorie gelistet ist. Aber auch die Selbstzweifel, wenn nach ein paar Wochen die Ernüchterung eintritt. Ob man nicht gut oder hip genug ist für den Buchmarkt oder gar die falschen Bücher schreibt. Ich bekam den für Social Media typischen Hate ab, aber dem Roman wurde andererseits wieder soviel Liebe und Zuspruch geschenkt. Die meisten Menschen, die „Sternenstürmer“ gelesen und eine Bewertung hinterlassen haben, gaben und geben mir wieder die Bestätigung, dass Themen außerhalb des Einheitsbreis berühren, bewegen und begeistern können. Manchmal kommt das Feedback auch aus alltäglichen Begegnungen, und die bauen mich wieder auf.

Wir leben in schnelllebigen Zeiten. Reichweiten gehen seit ungefähr drei Jahren kontinuierlich zurück, auch Interaktionen auf Instagram. Der Algorithmus ist der Endgegner und der entscheidet, was den Menschen gezeigt wird und was nicht. Auch das Schreiben und Veröffentlichen haben sich verändert – und mit KI leider nicht zum Besseren. Trotz einiger ernüchternder Momente habe ich nicht die Freude am Schreiben verloren – ich weiß, es gibt Dich da draußen.
