Advent, Advent – Textschnipsel, Protas und mehr

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Die zweite Kerze leuchtet und erinnert daran, dass sich das Jahr dem Ende zuneigt. Feierlichkeit und die besondere Stimmung dieser Tage liegt mit Tannengrün, Zimt und unzähligen Erinnerungen in der Luft.

Normalerweise wäre ich früher dran, um eine schöne gemeinsame Idee vorzustellen, die meine Autorenkollegin Anja Fahrner und ich ins Leben gerufen haben, nämlich den Fantastischen Adventskalender. Erstmals organisierte ich diesen Adventskalender, an dem Autor*innen Textschnipsel, Charaktervorstellungen und alles rund um ihre Bücher vorstellen konnten, in der Facebook-Gruppe Fantastische Buchwelten. Im Sommer allerdings hatte ein Hacker meinen Account gekapert und drastisch bei meinem lange geplanten Ausstieg aus Facebook nachgeholfen. Bis zu jenem Tag war ich unter anderem wegen dieser Gruppe, die ich mitadministriert hatte, noch geblieben.

Der Kontakt mit Anja blieb über Instagram und Email bestehen, und ich hatte sowieso vor, das Konzept in eine Challenge zu ändern. Was bedeutet, jede/r kann auf eine tägliche Frage antworten, die insbesondere die Protas der jeweiligen Bücher betrifft.

Zum heutigen zweiten Adventssonntag biete ich eine kleine Auswahl an und lasse Caroline aus Fremde Feuer, sowie Rasa aus Eis und Bernstein, beziehungsweise Lucija aus Sternenstürmer sprechen.

Als Colette Picard widme ich mich einem anderen, mir bedeutenden Thema: Dem 2. Weltkrieg und der Résistance

Den 2. Weltkrieg in eine Adventschallenge einzupacken? Zwischen all die pastelligen und kuscheligen Beiträge auf Instagram? Ja, und erst recht. Der Krieg, der nicht weit vor unseren Haustüren in der Ukraine tobt, schert sich ebensowenig um die Sehnsüchte der Betroffenen nach Frieden so wie es der letzte Weltkrieg tat.

Fremde Feuer ist allerdings kein deprimierender Roman, trotz des schweren Themas wollte ich Caroline, Charles und Andrew eine gewisse Lebensfreude und Lebendigkeit einhauchen. Alle drei Charaktere haben ihre Ziele, Pläne, Hoffnungen, und stoßen auch an ihre Grenzen. Aber nun zu Caroline, der Hauptfigur.

Tag 4: Wer war in deiner Welt besonders brav? Wer ist/war ein besonders liebenswerter Mensch?

Wir treffen Caroline und ihre Freundin Sally in einer Music Hall im Londoner West End. Auf einer Bühne spielt eine Big Band, Paare tanzen und die wilden Figuren des Lindy Hop erinnern bereits an den Rock n‘ Roll. In einer ruhigen Ecke sitzen die beiden jungen Frauen und erzählen.

Sally: „Wie wir uns angefreundet haben? Caro meldete sich als Lazarettschwester und wir waren im gleichen Kurs. Sie wirkte etwas unsicher und verloren, aber ich mochte sie auf den ersten Blick. In der Pause sprach ich sie an und seitdem sind wir unzertrennlich. Sie ist herzlich und ehrlich und manchmal ziehen wir uns, die besondere Liebe zwischen Engländern und Franzosen, gegenseitig auf.“

Caroline: „Ich kam in einem fremden Land und in einer fremden Stadt an. In der Schule hatte ich zuletzt Englisch gesprochen, und so bin ich froh darüber, dass sich Sally mir gleich so fürsorglich angenommen hat. Abgesehen von ihrem trockenen Humor, sie versorgt meine Familie und mich mit Gemüse aus ihrem Garten. Gerade in diesen Zeiten sind Freundschaften und füreinander dazusein sehr wichtig.“

Tag 5: Wer ist der größte Antagonist in deiner Welt?

Nachdem Caroline feststellt, dass sie sich nicht unbedingt zur Lazarettschwester eignet, beginnt sie als Funkerin im Sitz der französischen Exilregierung

Caroline: „Wer der größte Antagonist in meiner Welt ist? Hitler natürlich!“ Vorsichtig hält sie inne, späht durch den Funkraum, den die Regierung des Freien Frankreichs im Carlton Terrace eingerichtet hat. „Hier ist es, unter uns gesagt, Eliane de Bourges, die rechte Hand des Colonels im Département R. Mademoiselle de Bourges traut mir nicht zu, dass ich mir die geheimen Codes merken kann, mit denen wir die Verbindung zu den Résistancegruppen aufrecht erhalten und sie unterstützen. Vermutlich hält sie mich für dumm, weil ich jünger bin und weniger verbiestert als sie. Auch passt es ihr nicht, dass ich Colonel Charles-Henri Leroux‘ Gunst genieße und er mich für die Geheimoperation Katze in der besetzten Heimat ausgewählt hat. Dagegen kann Mademoiselle de Bourges nichts unternehmen, außer ihre böse Zunge einsetzen. Ich weiß, dass sie am liebsten nach Frankreich gehen und kämpfen würde, und missgönnt mir meinen Einsatz. Aber ich werde die Sache durchziehen. Der andere Antagonist darf schließlich nicht gewinnen, nicht wahr?“

Der nächste Antagonist entstammt Eis und Bernstein.

Vom Mentor zum Feind: Rimas und Rasa

Ich hatte die Fechtszene zwischen Rasa und Rimas im Kopf, und das Bild dazu ist symbolisch. Im ersten Teil, als er sie fürs KGB rekrutiert und ihre Laufbahn als Offizierin forciert, um sie nach seinen Vorstellungen zu formen, ist Rasa vor allem eines: Beeindruckt vom charismatischen General Rimantas Kazimieras Rutkus. Aber auch eingeschüchtert, als er sie zurück in Reih und Glied schubst und ihr klarmacht, dass sie sich nichts einbilden soll.

Die Rede ist genau von jenem Rimas, der als junger KGB-Offizier ins Bonn der 1970er Jahre geschickt wird. In „Bruderküsse“ erleben wir ihn noch als Anakin Skywalker, während er in „Eis und Bernstein“ seine dunkelsten Facetten offenbart.

Tag 8: Wen würde dein Protagonist zu Weihnachten einladen?

Lucija und ihre Mutter Vilma aus „Sternenstürmer/Sterne der Freiheit“

Auch „Sternenstürmer“ bietet als modernes Krieg und Frieden-Epos herzerwärmende Szenen, insbesondere, was Lucija und Dovidas betrifft. Lucija ist eine sehr angenehme, empathische wie auch resolute Protagonistin. Wen würde sie zu ihrem heimlichen Weihnachtsfest einladen?

Lucija: „Meine Mutter Vilma. Nachdem mein Vater mit seinem Flugzeug tödlich verunglückt war, ging es ihr sehr schlecht und ich kümmerte mich um meine jüngere Schwester Reta. Mama arbeitet seitdem im Textilkombinat Mada, wo auch ich mir ein paar Rubel zum Studium dazuverdient habe. Mama verdient es, einfach einmal zur Ruhe zu kommen, sich ein wenig umsorgen zu lassen und einen schönen Abend zu verbringen.“

Ist die Weihnachtszeit nicht auch die Zeit für besondere Geschichten? Für die nachdenklichen wie auch für die gefühlvollen und die spannungsreichen? Träumen wir ein wenig von Held*innen und lassen uns forttragen von ihren Geschichten, und die Welt dreht sich ein wenig langsamer.

Veröffentlicht von autorinirahabermeyer

Ich bin Autorin aus Leidenschaft für Geschichte und insbesondere das 20. Jahrhundert. Auf dieser Seite lasse ich jede*n gerne mitlesen, wie aus einer ersten Idee, einer Inspiration oder einer Faszination ein Roman oder eine ganze Reihe entsteht.

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