Eine amerikanische Dynastie – Leseprobe #4 aus „Concorde – Wo der Himmel endet“

Themen: Roman, Historischer Roman, Zeitgeschichte, Leseprobe, 1970er Jahre, Concorde, England, UK, USA, Luftfahrt

Da heute Thanksgiving ist, geht die Hunter Air rechtzeitig zum Turkey Day 1978 an den Start. In der Leseprobe aus "Concorde - Wo der Himmel endet" bekommt ihr einen kleinen Einblick.

Thanksgiving ist das amerikanische Familienfest schlechthin. Wie so vieles, das Konstanze durch Everett an amerikanischer Kultur kennenlernt, wirkt es fremdartig, neu und faszinierend.

Auf die Gefahr hin, dass ich den 1. Teil der Concorde-Reihe spoilere (wer erst hier einsteigt) und die Geschichte von Konstanze und Anthony: Lügen, Missgunst und Eifersucht können sehr viel anrichten, gekränkter Stolz ebenso viel zerstören. Kurz zusammengefasst:

Everett J. Hunter, charismatisch, schillernd und mit übersprudelndem Temperament, tröstet Konstanze über ihren Fehler hinweg. Weder sind es seine Millionen Dollar Vermögen, sein Wolkenkratzer in Manhattan noch seine ehrgeizigen Visionen, die sie Hals über Kopf seinem Werben nachgeben lassen. Als Concorde-Stewardess ist es Konstanze gewöhnt, mit Geschäftsleuten, Stars und selbst der Königin umzugehen.

Vielmehr möchte Konstanze den Mann hinter der Stahl- und Glasfassade der Hunter Incorporated entdecken. Ehe sie sich versieht, gerät sie in eine (neu)reiche New Yorker Familie hinein. Die könnt ihr – Dallas lässt grüßen – in all ihrer Bandbreite in Wo der Himmel endet kennenlernen.

Da heute Thanksgiving ist, geht die Hunter Air rechtzeitig zum Turkey Day 1978 an den Start.

Mit diesem Wirbel hatte Konstanze nicht gerechnet, als sie an Everetts Hand das Terminal betrat. Schnatternd folgten ihnen Summer, Libby und Ivy. Die nahm ihr zwei Wochen altes Baby mit auf die Reise. Hinter sich lauschte Konstanze Walters und Lances sonoren Stimmen. Aus den Gesprächen hörte sie Erwartung wie auch Anerkennung und Ehrgefühl heraus. Hunter betrieb nun eine eigene Airline und der Name würde bald überall in den Staaten bekannt sein. Neben ihr straffte Everett seine Schultern ein wenig mehr, reckte sein Kinn höher und setzte eine Miene der absoluten Unbesiegbarkeit auf. Eher huldvoll als ausgelassen oder nahbar winkte er den Journalisten und den Passagieren zu, die mit beladenen Gepäckwagen darauf warteten, dass die Schalter öffneten. Er war der Herrscher der Lüfte. Grell wie Blitze flackerten die Kameras und blendeten Konstanze für den Bruchteil einer Sekunde. Dann erkannte sie Lucinda Roth in der Meute.
Blaue Luftballons schmückten den Weg zum Check-In und den Schalter. Reisende standen bereits mit ihren Kofferwagen an. Ein rotes Absperrseil hielt sie zurück. Erwartungsvoll nahmen sie von Everett und seinem Gefolge Notiz. Als warteten sie nur auf das Signal, diesen Flug zu öffnen, saßen die Mitarbeiter in ihren Uniformen hinter den Tresen. Die Stimmung erinnerte Konstanze an den Tag, als die Concorde zum ersten Mal abgehoben war.
»Hi, wie geht es Ihnen?«, redete Everett die Wartenden an, schüttelte Hände und wuschelte einem Jungen die Haare durch. »Ich freue mich, dass wir heute gemeinsam nach Miami fliegen. Sie sich hoffentlich auch. Guten Morgen, Ma‘am. Bezaubernd, wirklich bezaubernd sehen Sie aus. Ihr Kleid gefällt mir«, schmeichelte er einer Dame in mittlerem Alter.
»Guten Morgen, Mister Hunter, Ma‘am«, flötete eine adrette schwarze Bodenstewardess und öffnete die Absperrung.
Die Journalisten folgten Konstanze und Everett zum First Class-Schalter. Sie richteten ihre Kameras und Objektive auf sie und ihn, während die Mitarbeiterin ihnen die Bordkarten für 1A und B aushändigte. Sein breites Lachen strahlte im Blitzlichtgewitter, als er es wie eine Errungenschaft präsentierte. Seine ganze Haltung verkörperte Stärke, Zuversicht und den uneingeschränkten Glauben an sich selbst. Bescheiden lächelte Konstanze. Merkte er ihr an, dass sie sich nicht wohlfühlte und dass ihr diese Aufmerksamkeit zuwider war?
»Mister Hunter, Ihre Airline ist die erste, die auch verheiratete Stewardessen einstellt. Betrachten Sie sich damit als Frauenrechtler?«, hielt ihm ein Journalist das Diktiergerät vor.
Abschätzend, mit welcher Antwort er sie beeindrucken könnte, sah er Konstanze an. »Die Siebzigerjahre sind zwar noch nicht vorbei, aber ich bin bereits ein Mann der Achtzigerjahre. Ich denke in die Zukunft und bin gerne der Erste.«
»Mister Hunter«, fragte eine Reporterin, »wie ist es, so reich wie Sie zu sein?«
Everett straffte seine Haltung und sein Strahlen verblasste keine Sekunde. »Angsteinflößend. Aber nicht für mich«, antwortete er und sandte eine unmissverständliche Botschaft an alle aus, die sich ihm in den Weg stellen wollten.
Ein frostiger Schauer erfasste Konstanze. Am liebsten wollte sie sich ganz hinter Everetts breiten Schultern verstecken. Waren ihm sein Selbstverständnis, das Koks und seine Millionen Dollar derart zu Kopf gestiegen, dass er sich für den Thronfolger einer großen amerikanischen Dynastie hielt? Wo war die Wärme in seiner Stimme? War sie im kalten Novemberwind erstorben, der das letzte Herbstlaub über Wege und Flächen fegte? Innerlich rückte sie ein weiteres Stück von ihm ab.
»Ich wünsche Ihnen ein schönes Thanksgiving-Fest«, winkte Everett den Journalisten und Schaulustigen zu und ergriff Konstanzes Hand. »Gott schütze Amerika!«

Aus dem Kapitel „You Don’t Bring me Flowers“

Fortsetzung folgt in Wo der Himmel endet. (Nur noch bis 30.11. in Aktion)

Die ganze Geschichte beginnt hier.

Natürlich sind beide Titel auch auf Tolino, bei Hugendubel, usw. sowie im Buchhandel erhältlich. Ich teile die Amazon-Links, da darunter die jeweiligen Rezensionen zu lesen sind.

Veröffentlicht von autorinirahabermeyer

Ich bin Autorin aus Leidenschaft für Geschichte und insbesondere das 20. Jahrhundert. Auf dieser Seite lasse ich jede*n gerne mitlesen, wie aus einer ersten Idee, einer Inspiration oder einer Faszination ein Roman oder eine ganze Reihe entsteht.

Hinterlasse einen Kommentar