Themen: Schreibtagebuch, Roman, Historischer Roman, Zeitgeschichte, Fakten zum Buch, 1970er Jahre, Deutschland
Showdown und Ende: 185 K Wörter, 648 Seiten und insgesamt 10 Monate Arbeit stecken in „Bruderküsse“ – und ich kann noch immer nicht wahrhaben, dass dieser Roman jetzt abgeschlossen ist. Zwischendurch brach ich in nervösen Schweiß aus, ob ich meine Frist mit März halten werde, verzettelte mich mit ein paar Szenen und wurde noch nervöser und streng zu mir selbst. Konzentriere dich aufs Wesentliche, folge deiner ursprünglichen Idee und schau nicht mehr zur Seite. Nicht alle Szenen, die ich schön fand, haben es in „Bruderküsse“ geschafft. Teilweise war ich sehr in Rimas‘ und Gisas Beziehung gefangen und widmete ihnen einige Extras, die aber die Handlung nur in die Länge gezogen hätten und sich nicht auf das Ende auswirken.

Das Ende schrieb der Lauf der Geschichte: Nachdem monatelang bekannt war, dass er im Kanzleramt für die Stasi spionierte, wurde Günter Guillaume am 24. April 1974 verhaftet. Eine der größten Politaffären der Nachkriegszeit erschütterte die junge Bundesrepublik. Fast vier Jahre lang hatte ein Hauptmann der HVA, als Flüchtling mit Ehefrau und Sohn in den Westen eingeschleust, direkten Zugang zu Kanzler Willy Brandt, und sein Vertrauen.
Mit Guillaume droht auch Gisa aufzufliegen und damit Rimas‘ wahre Identität. Zu viel möchte ich nicht verraten, aber die beiden werden in Strasbourg von den Nachrichten kalt erwischt und müssen nun eine Entscheidung treffen.

Ich hole selbst noch Luft, während ich nun mit dem Buchsatz und der Überarbeitung von „Bruderküsse“ beschäftigt bin. Mein Ziel, diesen Spionageroman zum 50. Jahrestag der Guillaume-Affäre zu veröffentlichen, nämlich im April, habe ich erreicht.
Jetzt bin ich erstmal platt. Wie sind über 185 K Wörter zusammengekommen, obwohl ich mir vorgenommen hatte, keine Wälzer mehr zu schreiben? Erstens: Kann man zwei Handlungsstränge – Rimas und Francis – und den historisch/politischen Hintergrund der frühen 1970er Jahre auf 200 Seiten herunternudeln? Einfach wär’s, aber nicht mein Ding. Ich möchte ein Gefühl für die Epoche, ihre Menschen und ihre Motivationen vermitteln. Oberflächliche Protas gibt es bei mir nicht, sie führen ein Innenleben, haben Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse. Zudem braucht ein Spionageroman auch Action, und die muss aufgebaut werden. Wie im Film möchte ich Szenen mit der entsprechenden Atmosphäre unterlegen und Stimmungen schaffen. Und zuletzt, ich liebe Dialoge. Dialoge bringen Bewegung und Interaktionen. So ergeben sich mal 185 K Wörter. Aber es ist auch so viel passiert!
„Bruderküsse“ thematisiert eine der größten Politaffären der Nachkriegszeit, eingebettet in rasante Action, geheime Intrigen sowie einer leidenschaftlichen wie gefährlichen Ost-West-Liebesgeschichte.