Ich konnte mich nicht freuen

Endlich einen Beststeller gelandet zu haben, war mein Traum. Warum ich mich dennoch nicht darüber freuen konnte, will ich hier erzählen.

Jetzt bin ich Bestseller-Autorin. Wenn es danach geht, dass sich jede*r Autor*in, welche bei Amazon in der Unter-Unter-Unter-Kategorie Platz 1 belegen, auf Social Media mit einem Bestsellerfähnchen schmückt – Sternenstürmer war bis vor ein paar Tagen Nummer 1 in Kalter Krieg.

Eigentlich sollte ich das zum Anlass nehmen und meine Freude und auch meine Genugtuung in die Welt hinauszuposaunen.

Zu viel Energie für Sichtbarkeit und Beliebtheit

Aber ich konnte mich zunächst nicht freuen. Nicht in dem Maße, wie ich sollte. War ich so abgestumpft und warum? Es hatte mich erschreckt, dass mich der Moment, den ich mir so lange herbeigesehnt und auf den ich hingearbeitet hatte, unberührt ließ. Und darum schreibe ich diesen Beitrag.

Niemand in der Buchbubble will Schattenseiten und Tiefpunkte benennen und zeigen. Auf Instagram und TikTok sind wir doch alle wunderbar und stets gut drauf. Wir toppen uns in der Anzahl der Wörter pro Tag und in den Veröffentlichungen alle zwei Monate. Und mit dem Ranking. Ha, Ich hab dir schon immer gesagt, wechsle das Genre, lass deine Geschichten in einem anderen Land und in der Gegenwart spielen, flüstert es aus der Bubble. Es ist, als würde man kurz nach dem Weckerläuten sein Selfie posten, ungekämmt und mit dunklen Ringen unter den Augen. Oder schlecht gelaunt.

Die möglichst perfekten Posts, die Bewerbung meiner Bücher, das Sammeln von ein Dutzend Rezensionen und die Sichtbarkeit haben mir in all den Jahren ziemlich viel Energie herausgesogen, die mir fehlte, um mich zu freuen. Und mit jeder Neuveröffentlichung beginnt das Rat Race um Sichtbarkeit beim großen A und das Ranking aufs Neue und alle sind mit dabei.

Ich wollte aufgeben

Ich erinnere mich. 2022 hatte ich Sternenstürmer auf Amazon KDP veröffentlicht. Mein Herzensprojekt aus 2008/09 um die systemkritische Lucija und den ehemaligen MiG-Piloten Dovidas sollte endlich steigen und was habe ich Content erstellt, gepostet und gepostet. Seht her, so mitreißend, bewegend und erfrischend kann Geschichte sein, eine Lovestory gepaart mit dem nötigen Drama, einem totalitären System und einem Krieg. Wenn das kein Stoff ist. Die Rezensionen, die ich damals noch in einer Leserunde und von ein paar Leser*innen einholte, waren gut.

Dann kam die schlechte Laune. Ich dachte sogar ans Aufhören, jedenfalls mit dem Veröffentlichen. Aber ich liebe das Schreiben zu sehr und ich möchte die Geschichten und ihre Held*innen, die in meinem Kopf entstehen und sich darin tummeln, mit den Menschen teilen. Ich möchte sie einladen, ihnen ein paar schöne Stunden geben und in ihrer Erinnerung bleiben. 

Vielleicht hatte ich nie das richtige Gespür, wie Marketing funktioniert. Bei Sternenstürmer hatte ich jedenfalls die richtige Entscheidung getroffen und im richtigen Verlag untergebracht, der Militärromane und den Kalten Krieg gekonnt vermarktet.

Die Leidenschaft ist stärker

Inzwischen habe ich begriffen, ich habe erreicht, was ich wollte und bin fähig, mich zu freuen. Ich empfinde eine große Dankbarkeit und Demut, dass ich mit jeder neuen Geschichte eine neue Welt schaffe, die ich selbst erst entdecken muss. Auch dafür, dass ich eine Leidenschaft für historische Themen und unterschiedliche Kulturen habe und mich hineinarbeite und Neues kennenlernen und aufnehmen darf. Ich werde nicht damit aufhören, soviele Trends auf dem Buchmarkt kommen und gehen werden.

Erfolg bedeutet nicht nur das Rennen ums Ranking und noch weniger ums Geld. Erfolg sind die Momente, wenn Freunde, Nachbarn, Bekannte oder ganz wildfremde Menschen von mir persönlich ein Buch kaufen möchten, wenn ich mit Applaus die Bühne betrete, wenn ebenso fremde Menschen in Rezensionen ausdrücken, dass ich sie berührt habe, wenn sie durch einen meiner Romane auf die ganze Bandbreite gestoßen sind, und das wollte ich. So etwas kann kein Algorithmus bestimmen.

Veröffentlicht von autorinirahabermeyer

Ich bin Autorin aus Leidenschaft für Geschichte und insbesondere das 20. Jahrhundert. Auf dieser Seite lasse ich jede*n gerne mitlesen, wie aus einer ersten Idee, einer Inspiration oder einer Faszination ein Roman oder eine ganze Reihe entsteht.

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