Inspirierende Zeiten – Mein Schreibjahr 2022

In die letzten Wochen des Jahres kehrt eine stille Magie ein. Es ist Winter und damit Zeit, zurückzublicken und innezuhalten. Was hat mich in diesem Jahr beschäftigt und was steht 2022 an?

Zwar lief 2021 nicht alles so, wie es sollte. Trotzdem war es ein sehr kreatives Jahr. Die „Eis und Bernstein“-Reihe wäre fertig, aber es heißt wieder Geduld haben, überarbeiten und abwarten. Im Sommer haben Silvia und ich unser zweites Cold War Fiction-Crossover geschrieben und beendet. „Steppenfalken“ wird eine queere Ost-Ost-Agenten-Geschichte, in der mit Rimas einer der „Eis und Bernstein“-Protagonisten die Hauptrolle spielt – neben dem nicht weniger grandiosen und liebenswerten Attila aus Silvias „Die Stadt der Freiheit“. Ähnlich wie bei „Winterschwalben“ entstand diese Idee wieder beim Chatten und Rimas und Attila haben gleich gematcht. Der Balaton im Sommer 1985 scheint uns als perfekter Ort, an dem sich die beiden begegnen könnten, während in Rimas‘ Heimat zumindest die Zeichen auf leichter Veränderung stehen. Gemeinsam, aber unabhängig voneinander ermitteln sie in einem Mord an einem ungarischen Parteifunktionär, der Gorbatschows beginnende Reformen befürwortet und sie gerne umsetzen würden. Weder Rimas, noch Attila wissen von der wahren Identität des anderen, was Spannung in den Plot bringt. Im Frühsommer wird unsere zweite Koproduktion erscheinen.

Es sieht aus, als würde ich mich zurücklehnen. Aber davon kann 2022 keine Rede sein,

Beflügelt vom Flow und dem Zuspruch der Leser, gerne mehr erfahren zu wollen aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks, entwickeln sich Tausende neuer Ideen. Nun gut, das ist ein wenig übertrieben. Gegenwärtig sind es drei Projekte, an denen ich gerade arbeite. Von Projekt Nummer eins, dem „Roten Falken“ habe ich in meinem vorherigen Blogbeitrag ein wenig erzählt. Auch hier spielt Rimas die Hauptrolle und wird 1972 nach Westdeutschland auf eine Mission geschickt, um die Bonner Regierungskreise zu infiltrieren. Ich lerne einen anderen Rimas kennen als in „Steppenfalken“ und „Eis und Bernstein“. Noch ist er von der Machtfülle als KGB-General weit entfernt und muss die Befehle seiner Vorgesetzten und aus der Moskauer, beziehungsweise Ost-Berliner Zentrale befolgen. Er ist noch ein wenig ungestüm in seinem Ehrgeiz und seinem unbedingten Willen. Einerseits wäre er gerne asketisch und würde alleine der Sache dienen, doch er ist nur ein Mensch. Aber auch ein Mensch, der meint, er könnte sich alles herausnehmen. So passt der Rimas der 1970er Jahre auch gut in dieses lebensfrohe, zukunftszugewandte Jahrzehnt.

Natürlich braucht Rimas auch Gegenspieler, denn die 1970er Jahre waren auch ein Jahrzehnt des Kalten Kriegs und der Polarisierung. Einer, der großes Interesse hat, den „Roten Falken“ auszuschalten, ist der NSA-Offizier Francis Lee Hayworth. Noch leitet er die Überwachung der Funksprüche des Warschauer Pakts und der DDR-Behörden von der Field Station auf dem Teufelsberg in Berlin – doch es dürfte nicht zu lange dauern, bis er von Rimas‘ Existenz erfährt und das Katz-und-Maus-Spiel, inklusive im Dunklen Tappen beginnt. Übrigens ist die ehemalige Abhöranlage der Amerikaner und Briten auf dem Teufelsberg ein Lost Place und einen Besuch wert, der den Kalten Krieg erahnen lässt.

Ein weiteres Projekt, das mir sehr am Herzen liegt und das sich während des Schreibens an „Eis und Bernstein“ entwickelt hat, ist die „Flussbrüder“-Saga. Dafür reisen wir zurück nach Litauen, ins Jahr 1938. Im Subplot von „Eis und Bernstein“ dreht es sich immer wieder um Pranas Tarvydas, der als Milizgeneral von Kaunas den grumpy old man gibt und seiner Tochter Rasa mehr oder minder angebrachte Ratschläge erteilt. Pranas entwickelte sich zu einer tragischen Nebenfigur mit vielen Geheimnissen. Ein großes Geheimnis macht er um seinen Bruder Vaidotas und um den Familiennamen, den er vor der sowjetischen Okkupation geführt hatte: Baronas. Als „Faschisten“ tut Pranas seinen Bruder immer wieder ab, sobald die Rede auf ihn kommt, und wimmelt geschickt jedes weitere Gespräch ab. Doch ist das so? Als der Krieg ausbricht, einmal die Sowjets, dann die Deutschen und am Ende doch wieder die Sowjets Litauen besetzen, schlagen sich die Brüder Baronas auf die jeweilige Seite. Pranas, der junge Anwalt, ist Kommunist und muss seine Homosexualität verleugnen. Dagegen ist sein älterer Bruder Vaidotas Offizier in der litauischen Armee, Katholik und Erbe des Landguts Belvederas, das aber durch die Spielschulden des Vaters mehr zur Bürde wird. Mit dem Krieg werden aus Brüdern erbitterte Feinde.

Schließlich drängt sich mit dem „Sternenstürmer“ das dritte Projekt auf, das sich mit seinem Nussknacker-Charme zum X-Mas-Special 2022 entwickeln könnte. So lautet jedenfalls mein Plan. Ich habe bereits die Vorlage aus einem Manuskript von 2008, das seitdem auf meiner Festplatte geschlummert hat. Mir war Dovidas Kalvaitis, der Titelheld, zu schade und so bekam er eine Funktion in „Eis und Bernstein“. Anscheinend möchte er seine Geschichte so gerne loswerden, dass er mich sogar im Traum besuchte und drängte, was nun mit ihm wäre. Protagonisten können auch nervig werden. Also gut, ein ausgemusterter Luftwaffenpilot wird zurück in seine Heimat geschickt und darf die Flugschüler auf der Basis in Vilnius unterrichten. Er begegnet der klugen, wie auch hinreißenden Lucija, deren Vater selbst bei der Luftwaffe war und bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Soweit – doch dann marschieren die Sowjets nach Afghanistan ein und Dovidas muss sich als Kommandeur eines Stützpunkts am Hindukusch bewähren …

2022 wird ein abwechslungsreiches Schreibjahr für mich werden, und ich merke, dass die drei Projekte einander inspirieren und befeuern. Sollte ich an einem nicht vorankommen, so werde ich es an einer anderen Stelle gewiss tun. Trotzdem bin auch ich sehr gespannt darauf, welche Cold War Fiction die nächste sein wird.

Ich wünsche Euch ein frohes Weihnachtsfest und schöne Feiertage und ein gutes neues Jahr!

Veröffentlicht von autorinirahabermeyer

Autorin Cold War Fiction-Romane

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